Peter Heickel ist Vorstandsprecher beim Finanzdienstleister FOUR GATES AG. Bei der anstehenden Branchenkonsolidierung will das Unternehmen eine führende Rolle spielen. Mit besonders nachhaltigen Veränderungen rechnet Heickel im Bereich der privaten Krankenversicherung.
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Peter Heickel ist Vorstandsprecher beim Finanzdienstleister FOUR GATES AG. Bei der anstehenden Branchenkonsolidierung will das Unternehmen eine führende Rolle spielen. Mit besonders nachhaltigen Veränderungen rechnet Heickel im Bereich der privaten Krankenversicherung.
FONDS exklusiv: Herr Heickel, ist Gesundheit in Deutschland ein Luxus, den sich bald kaum noch jemand leisten kann?
Peter Heickel: Auf den ersten Blick scheint dies leider so zu sein. Die momentanen Entwicklungen sind sicherlich besorgniseregend.
Seltsam, die jüngste Gesundheitsreform verspricht doch eine hohe Versorgungsqualität bei beherrschbarer Kostenentwicklung ...
P.H.: Immer wieder haben wir in den vergangenen Jahren erlebt, dass und wie die Politik in den Gesundheitsmarkt eingegriffen hat. Ob es sich da jedes Mal um eine Reform gehandelt hat, die diese Bezeichnung auch verdient, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden. Denn jedes Mal war schnell klar, dass die tatsächlichen Ergebnisse nicht mit den versprochenen übereinstimmten.
Die privaten Krankenkassen sehen ihr Geschäftsmodell in Gefahr. Können Sie die Sorgen verstehen?
P.H.: Aus Sicht eines Vermittlers, der einen ansehnlichen Teil seines Geschäfts mit privaten Krankenversicherungen macht, kann ich die Sorgen und Nöte verstehen. Und es ist tatsächlich so, dass wir als Vermittler unser Geschäftsfeld gefährdet sehen. Ich glaube allerdings, dass hier der Klageweg nicht ein geeignetes Mittel ist, einen Konsens in und mit der Politik zu erreichen.
Wird sich die private Krankenversicherung in einigen Jahren überholt haben? Oder müssen die PKVen nicht ihre Strategien überdenken um die eigenen Angebote attraktiver zu machen?
P.H.: Die private Krankenversicherung in Deutschland ist alles andere als ein Auslaufmodell. Ganz im Gegenteil. Denn sowohl in der Kranken-Vollversicherung als auch bei den Zusatzversicherungen sind die privaten Kassen das entscheidene Regulativ am Gesundheitsmarkt. Ohne sie käme es früher oder später zu einem Kollaps.
Was wäre aus Ihrer Sicht der richtige Ansatz?
P.H.: Die permanente Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze und der Aufbau von Hürden, um sich überhaupt in der PKV voll versichern zu können, sind der falsche Weg. Genau das Gegenteil sollte eintreten. Die Politik sollte dem mündigen Bürger die Wahl überlassen, die Form seiner Krankenversicherung frei zu wählen.
Wie wirken Sie als Finanzdienstleister auf Ihre Produktpartner aus dem PKV-Sektor ein im Hinblick auf die Schaffung neuer Angebote? Und welchen Service bieten Sie Ihren Finanzdienstleistern bei deren Arbeit?
P.H.: Unser Service besteht grundsätzlich darin, dass wir unseren Kunden, aber auch Interessenten einen Marktüberblick über die vorhandenen Angebote schaffen. Wir nutzen moderne EDV-gestütze Vergleichsprogramme, die sowohl Beitrags- als auch Leistungsanalysen ermöglichen. Der Kunde kann also seine Anforderungen definieren, die wir dann mit den Angeboten am Markt abgleichen.
Erwarten Sie von der Politik, aus Sicht der PKV-Branche, weitere unliebsame Überraschungen für die nächsten Jahre?
P.H.: Leider hat die Politik unsere Branche ins Visier genommen. Dabei bedient man sich oft populistischer Vergleiche und baut eine Konkurrenzsituation zur gesetzlichen Krankenverischerung auf. Das jedoch ist wenig hilfreich. Ein System, das den Schwerpunkt auf Gerechtigkeit gelegt hat, kann Probleme bei der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung auf Dauer nicht bewältigen. Dass unsere Branche um ihre Marktchancen insbesondere in der Vollversicherung kämpfen muss, wird die Herausforderung schlechthin sein. Bislang sind aber mit jeder Veränderung und mit jedem Eingriff in das System neue Marktchancen entstanden. Wenn man daran glaubt, kann man auch nicht unliebsam überrascht werden.
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